Miss Vera auf Reisen

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...zumindest signalisiert das mein handy-display.

1 Kommentar 5.12.07 10:58, kommentieren

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my personal klimawandel

ob ich mich gut akklimatisiert hätte, wurde ich unlängst gefragt. natürlich! das essen, die sprache, die menschen - nach 6 monaten habe ich mich an asiens skurilitäten und eigenheiten gewöhnt.

doch diese antwort ist nur eine halbwahrheit. im prinzip akklimatisiere ich mich ständig neu, täglich, stündlich, manchmal von einer minute auf die andere.

rein, raus. kühlschrankkalt, waschküchenfeucht. jacke an, schal aus.

das klima in singapur ist eine einzige achterbahnfahrt des organismus. denn hier verlässt der klimawandel den öffentlichen diskurs um treibhauseffekt und emissionsgesetzte. klimawandel, das ist eine persönliche angelegenheit, ein angriff auf die intimsphäre. nichts für leute mit labilem immunsystem.

im büro kühlt eine zentral regulierte aircon auf gefühlte 18 grad runter. noch bevor der computer hochfährt, mummel ich mich also in eine dicke fließjacke und schlürfe prophylaktisch pfefferminztee. eine buchstäbliche akklimatisierung am arbeitsplatz. nachts im übrigen, wird die klimaanlage zentral abgeschalten, pech für nachtarbeiter wie uns, die wir bis vier uhr früh am fernsehprogramm der deutschen basteln.

draußen, an der "frischen luft", ist es feucht, heiß, schwül. kurzum: subtropisch bis unerträglich. singapur ist eine einzige freiluft-sauna, die bis zur letzten pore daran erinnert, dass man immer noch in südostasien ist. 

meine rückkehr nach deutschland bereitet mir übrigens keine sorgen. dem re-entry-schock beuge ich ganz entspannt vor, ich akklimatisiere mich einfach schon hier ein bißchen: in der skihalle singapurs. 

2 Kommentare 13.10.07 08:48, kommentieren

was bisher geschah II

zugegeben: ich habe mich rar gemacht in letzter zeit. doch damit ist nun schluss. hier und jetzt wird wieder gebloggt!

denn: stoff gibt es genug hier. in singapur.

zwei wochen weile ich nun schon in dieser seltsamen stadt. es ist ein bißchen wie disneyland für businessmenschen oder inhaber einer goldenen kreditkarte. alles etwas zu künstlich, alles zu konsumorientiert. eine perfekte stadt, wenn perfekt bedeutet, dass alles funktioniert, die menschen wohlhabend sind und in den straßengräben kein müll landet.

singapur, das ist ein kleiner kulturschock, wenn man wie ich vorher ein semester im indonesischen entwicklungsland verbracht hat. jede nische dieses stadtstaates ist diametral entgegengesetzt allen anderen asiatischen nachbarländern.

"singapore is a fine city" lautet ein populärer spruch, und es stimmt, singapur ist eigentlich "die verbotene stadt". an jeder ecke sorgen verbotsschilder für perfektion. fahrrad fahren in einem fußgängertunnel? 500 euro. mal eben einen schluck wasser in der u-bahn trinken? 250 euro. bei rot über die ampel gehen? lieber nicht, big brother is watching you.

in singapur ist alles geregelt - manchmal überregelt. das schafft ordnung und ein funktionierendes system. in welchem anderen land könnte man das leitungswasser bedenkenlos trinken oder in ein taxi steigen mit der garantie, keinen weißen-aufschlag zahlen zu müssen? als frau genieße ich es, nachts problemlos ohne männlichen begleitschutz durch die straßen gehen zu können. noch nie hat mir eine stadt ein so extremes gefühl von sicherheit vermittelt.

doch diese perfekte ordnung hat ihren preis. buchstäblich, ihren preis. denn singapur ist eine besserverdienerstadt. wer ohne stadtplan per bauchgefühl zu fuß die gegend erkunden möchte, wird keine fünf schritte gehen und unweigerlich in einer shoppingmall landen. so viele konsumtempel, dass ich mich frage, wer da überhaupt noch konsumieren soll.

im stadtzentrum steht ein wolkenkratzer neben dem anderen. dazwischen touristentauglich renovierte chinesische shophäuschen und anwesen im kolonialstil. auch gassen gibt es und kleine putzige häuser - mit einem glasdach drüber, damit die klimaanlage funktioniert.

zugegeben: es lässt sich leicht leben hier. als weiße schenkt mir keiner mehr beachtung als nötig, der multikulti-philosophie sei dank. ich tauche unter in der masse der chinesen, malayen, inder und expats und vermisse das "hello miss" ganz sicher nicht. die leute sprechen alle perfektes englisch (ok, die ausprache, naja), sodass ich nicht mehr radebrechend und mit händen und füßen kommunizieren muss. auch habe ich nicht ständig dieses schlechte gewissen, so unendlich viel reicher und priviligierter zu sein - als studentin und unbezahlte praktikantin gehöre ich hier eher dem unteren drittel der gesellschaft an.

nur: perfektion ist nicht sexy. da fehlt die dynamik, der geist, die seele.

 

 

4 Kommentare 23.9.07 16:28, kommentieren

transit

singapore airport. willkommen im luftleeren raum, der das zeitgefuehl vakuumverschliesst. zwischen arrival und departure in den duty free shops die neuesten brands erstehen - bezahlung nur mit kreditkarte -, bei starbucks einen durchwegs globalisierten kaffee schluerfen und zum zeitvertreib an kostenlosen internetspots surfen. das leben in einem flughafen hat eine seltsame dynamik. es ist surreal, eine zwischenwelt, nirgends und ueberall gleichzeitig. flugzeuge landen, flugzeuge starten. abschied und anfang liegen so nah bei einander.

miss vera is heading bangkok.

 

1 Kommentar 25.8.07 07:46, kommentieren

jakarta

die stadt hat mich wieder. was heisst stadt - moloch, megacity, grosstadtdschungel sind passendere bezeichnungen fuer jakarta. es ist laut, heiss, stickig. das ganze leben wird von einer smogschicht uebertuencht, so dick, dass die sonne sie nicht durchbrechen kann.
wie wohltuend es ist, sich in eine der malls zu fluechten! dieses refugium ist ein privileg der reichen, schrankartige wachmaenner sorgen an den eingaengen dafuer, dass nur kaufkraeftiges publikum die shoppingtempel frequentiert. soziale selektion vom feinsten. draussen hausen die leute in primitiven wellblechhuetten und krebsen am existenzminimum rum, waehrend die aufstrebende mittelschicht drinnen konsumiert. 
jakarta ist meine letzte station in indonesien - hier fing alles an und hier endet alles...auf in den naechsten asiatischen grossstadtdschungel! 
 

1 Kommentar 23.8.07 13:00, kommentieren

on the road again

mit dem lonely planet unterm arm wandel ich auf touristischen pfaden in bali. will heissen: raffiniertes oekoessen in gemuetlichen travellerkneipen, wunderschoene mitbringsel und stylische bambushuetten mit blick auf reisfeld. relaxen mit exotikfeeling.

aber das heisst auch: fremdschaemen, weil andere touris kulturunsensibel in hotpants und spaghettishirt rumlaufen - warum fahren die nicht nach mallorca?

meine indonesischkenntnisse bewahren mich zum glueck davor, mit diesen fettnaepfchentretern in einen topf geschmissen zu werden.

episode 2 bedeutet also: umstellung von studentin auf touristin - mit allen schattenseiten. 

1 Kommentar 9.8.07 12:33, kommentieren

bye, bye, salatiga

episode eins, letzte folge.

rucksack packen, abschlusstest schreiben, erinnerungsfotos schiessen - es ist zeit, in salatiga die zelte abzubauen. seit tagen schmeckt schon alles nach abschied. alles ist ein letztes mal. ein letztes mal zur uni gehen, ein letztes mal in der lieblingskneipe mit indonesischen freunden zusammensitzen. zum letzten mal morgens vom gedudel des mobilen brotverkaeufers geweckt werden, zum letzten mal beim lieblingswarung essen gehen.

salatiga, I'll miss you...trotzdem packt mich schon das reisefieber, in drei tagen geht es los! zuerst java und bali, danach dann auf dem landweg von bangkok nach singapur.

miss vera geht nun also wirklich auf reisen.

1 Kommentar 31.7.07 07:00, kommentieren