Miss Vera auf Reisen

so was wie alltag

nachdem ich nun seit fast 5 wochen morgens im selben zimmer aufwache, hat sich wohl so was wie ein alltag eingestellt.

als fitmacher schlechthin dient morgens die eiskalte dusche, die ich mir kuebelweise uebers haupt schuette. danach bin ich gewappnet fuer jegliche ueberraschung zum fruehstueck (ich sage nur: milchbroetchen mit fleischfuellung, hm...). davon abgesehen kredenzen mir die hausangestellten aber gewoehnlich sehr leckeres indonesisches essen, puenktlich um halb sieben abends.

ok, irgendwann zwischen morgens und mittags begebe ich mich zur uni. ehrlicherweise muss an dieser stelle erwaehnt werden, dass uni nicht automatisch studieren impliziert. nein, uni, das heisst auch in der cafeteria rumhaengen, im internet surfen, rumspazieren, zeit vertreiben.

eigentlich besuche ich neben dem sprachkurs nur einen ernst zu nehmenden kurs, law and politics in indonesia.

der andere kurs, vielversprechend cross cultural understanding genannt, entspricht in etwa einer reli-stunde in der unterstufe. sprich: der unterricht ist so dynamisch wie das testbild der oeffentlich-rechtlichen und ich merke mal wieder, wie lange 90 minuten sein koennen. aber als multi-tasking-faehiger kuwi kann ich natuerlich so tun, als lausche ich gespannt und gleichzeitig galgenmaennchen spielen.

wenn dann gegen 17 uhr wieder viel zu frueh die dunkelheit ueber salatiga einbricht, stehe ich jeden tag aufs neue vor der frage: was tun am abend? zum allabendlichen ritual hat sich unter uns passauern inzwischen der frisch gepresste saft entwickelt, den wir bei einem schnuckeligen familien betriebenen restaurant geniessen.

zum tagesausklang also saft statt wein fuer miss vera.

1 Kommentar 15.5.07 12:20, kommentieren

Werbung


tag am meer

kristallklar, tuerkisblau glitzert es in der mittagssonne. mit gefuehlten 27,5 grad hat das wasser angenehme badewannentemperatur. ich lege mich auf den ruecken und lasse mich treiben. im hintergrund schallt indonesische kitschmusik aus den lautsprechern, die perfekte soundkulisse fuer einen tag am meer.

...oh, wie schoen ist studieren auf einer insel!

1 Kommentar 12.5.07 06:25, kommentieren

exkursion ins nachtleben

oder: wie die indonesier nachts indonesien indonesien sein lassen. der letzte wochenendtrip fuehrte mal nicht zu einem tempel, traumstrand oder sonst irgendeinem must-have-seen-place, sondern direkt in die clubkultur (oder subkultur?) der indonesischen oberschichtenkinder.

ort des geschehens: das astro in semarang, einer recht unspektakulaeren kuestenstadt. nur wer lust auf shoppingmalls oder kaesetoast zum fruehstueck hat, ist hier richtig aufgehoben. oder eben all jene, die der inoffiziellen sperrstunde von 22 uhr abends ueberdruessig geworden sind - in indonesien hoert das leben abends auf, sobald es dunkel ist und wer nach 22 uhr noch unterwegs ist, muss sich um seinen ruf sorgen.

ok, hier kurz das setting des clubs. die protagonisten: 80 % maenner, 20 % frauen, darin eingerechnet die ausschliesslich weiblichen kellnerinnen und unglaublich lasziv hueft schwingende gogogirls. plus irgendwo dazwischen wir westler. an der bar ausserdem ein angetrunkener schotte mitte vierzig, der bei nokia arbeitet - aber fuer den abend so irrelevant ist, dass er hier getrost vernachlaessigt werden kann.

den sound fuer eine clubnacht im westlichen stile liefern 3 djs plus ein live-percussionist - stylische irgendwie metrosexuell wirkende grossstadtasiaten, die rein optisch eher nach tokio oder zumindest jakarta passen.

nach einer aufwaermphase mit indonesischen schnulzensongs (das ist ein extrakapitel) kommt der laden in schwung. irgendwann nach mitternacht ist die stimmung so ausgelassen, dass die leute auf tischen tanzen, der dj sich unters publikum mischt und alle einfach nur spass haben. es ist ein anderes spass haben als in europa. irgendwie intensiver, weniger auf show aus. allen ist bewusst, dass hier in der geschuetzten clubwelt geht, was im realen leben undenkbar waere: frauen rauchen, alkohol fliesst in rauen mengen, maennlein und weiblein zeigen oeffentlich ihre zuneigung.

...miss vera hat sich also praechtig amuesiert! auch wenn die indonesier leicht irritiert sind, als sie ihre schuhe in die ecke schleudert und barfuss weiter tanzt.

8.5.07 05:37, kommentieren

saus und braus in der parallelgesellschaft

als fremder hat wohl jeder auslaender weltweit einen sonderstatus - in laendern wie indonesien ermoeglicht dieser ein leben in saus und braus. und zwar die luxusvariante. zum beispiel miss vera in salatiga.

aus besagtem 4-sterne-nobelschuppen bin ich zwar wieder ausgezogen, der koffertraeger ist also passe, stattdessen sorgen nun drei hausangestellte plus waschfrau dafuer, dass ich mich prinzesinnen gleich fuehle. meine waesche wird binnen einem tag gewaschen und liegt abends wie von unsichtbarer hand gebuegelt und akkorat zusammen gefaltet vor meiner zimmertuer. habe ich hunger reicht ein magenknurren aus - fuenf minuten spaeter hat sich das tischlein schon wie von selbst gedeckt. welch faux-pas, wenn ich auch nur anstalten mache, das geschirr anschliessend selbst abraeumen zu wollen. oh nein, miss vera, stellen sie bloss nicht die hierarchie-verhaeltnisse der gesellschaft in frage!

seltsam.

1 Kommentar 5.5.07 04:43, kommentieren

was bisher geschah

nach einem kurzen intermezzo am dubaier flughafen -marmorsaeulen, duty free paradies- ankunft in jakarta. diese megacity verlasse ich jedoch schnell wieder, um nach salatiga aufzubrechen. im zug habe ich zum ersten mal das gefuehl, in indonesien zu sein, reisfelder, einfache huetten, palmen ziehen an mir vorbei.

nach 12 stunden in einfachsten verkehrsmitteln fuer umgerechnet 12 euro habe ich in salatiga kontrastprogramm. mangels alternative logiere ich fuer eine nacht im nobelsten luxusschuppen der stadt und fuehle mich prinzessinnen gleich - in den genuss von uniformierten koffertraegern, welcome-drinks und einer warmen dusche inklusive duschkopf werde ich so schnell wohl nicht mehr kommen.

sehr schnell realisiere ich: ohne bahasa indonesia-kenntnisse komme ich hier nicht weit. auch die schmerzliche erkenntniss: haette ich letztes semester ein bisschen fleissiger vokabeln gelernt, wuerde ich zumindest die kassierer verstehen und radebrechend nach dem weg fragen koennen. fazit daraus: ich stuerze mich in den intensiv-sprachkurs an der uni. sechs stunden einzelunterricht lassen mich abends zwar nur hundemuede ins bett fallen, belohnt werde ich allerdings mit ersten mini-konversationen. ein schoenes gefuehl, wenn die leute einen verstehen! endlich bin ich nicht laenger die weisse touristin sondern mahasiswa - studentin.

anfang dieser woche dann das ende des lonely-rider-daseins. der erste passauer mitstudent kommt an und ich geniesse es, das angestarrt-werden teilen zu koennen. inzwischen sind alle fuenf mitstreiter hier und den einheimischen muss es wie eine invasion der weissen vorkommen...

so viel fuer heute. fortsetzung folgt.

3 Kommentare 29.4.07 14:26, kommentieren