Miss Vera auf Reisen

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saus und braus in der parallelgesellschaft

als fremder hat wohl jeder auslaender weltweit einen sonderstatus - in laendern wie indonesien ermoeglicht dieser ein leben in saus und braus. und zwar die luxusvariante. zum beispiel miss vera in salatiga.

aus besagtem 4-sterne-nobelschuppen bin ich zwar wieder ausgezogen, der koffertraeger ist also passe, stattdessen sorgen nun drei hausangestellte plus waschfrau dafuer, dass ich mich prinzesinnen gleich fuehle. meine waesche wird binnen einem tag gewaschen und liegt abends wie von unsichtbarer hand gebuegelt und akkorat zusammen gefaltet vor meiner zimmertuer. habe ich hunger reicht ein magenknurren aus - fuenf minuten spaeter hat sich das tischlein schon wie von selbst gedeckt. welch faux-pas, wenn ich auch nur anstalten mache, das geschirr anschliessend selbst abraeumen zu wollen. oh nein, miss vera, stellen sie bloss nicht die hierarchie-verhaeltnisse der gesellschaft in frage!

seltsam.

1 Kommentar 5.5.07 04:43, kommentieren



exkursion ins nachtleben

oder: wie die indonesier nachts indonesien indonesien sein lassen. der letzte wochenendtrip fuehrte mal nicht zu einem tempel, traumstrand oder sonst irgendeinem must-have-seen-place, sondern direkt in die clubkultur (oder subkultur?) der indonesischen oberschichtenkinder.

ort des geschehens: das astro in semarang, einer recht unspektakulaeren kuestenstadt. nur wer lust auf shoppingmalls oder kaesetoast zum fruehstueck hat, ist hier richtig aufgehoben. oder eben all jene, die der inoffiziellen sperrstunde von 22 uhr abends ueberdruessig geworden sind - in indonesien hoert das leben abends auf, sobald es dunkel ist und wer nach 22 uhr noch unterwegs ist, muss sich um seinen ruf sorgen.

ok, hier kurz das setting des clubs. die protagonisten: 80 % maenner, 20 % frauen, darin eingerechnet die ausschliesslich weiblichen kellnerinnen und unglaublich lasziv hueft schwingende gogogirls. plus irgendwo dazwischen wir westler. an der bar ausserdem ein angetrunkener schotte mitte vierzig, der bei nokia arbeitet - aber fuer den abend so irrelevant ist, dass er hier getrost vernachlaessigt werden kann.

den sound fuer eine clubnacht im westlichen stile liefern 3 djs plus ein live-percussionist - stylische irgendwie metrosexuell wirkende grossstadtasiaten, die rein optisch eher nach tokio oder zumindest jakarta passen.

nach einer aufwaermphase mit indonesischen schnulzensongs (das ist ein extrakapitel) kommt der laden in schwung. irgendwann nach mitternacht ist die stimmung so ausgelassen, dass die leute auf tischen tanzen, der dj sich unters publikum mischt und alle einfach nur spass haben. es ist ein anderes spass haben als in europa. irgendwie intensiver, weniger auf show aus. allen ist bewusst, dass hier in der geschuetzten clubwelt geht, was im realen leben undenkbar waere: frauen rauchen, alkohol fliesst in rauen mengen, maennlein und weiblein zeigen oeffentlich ihre zuneigung.

...miss vera hat sich also praechtig amuesiert! auch wenn die indonesier leicht irritiert sind, als sie ihre schuhe in die ecke schleudert und barfuss weiter tanzt.

8.5.07 05:37, kommentieren

tag am meer

kristallklar, tuerkisblau glitzert es in der mittagssonne. mit gefuehlten 27,5 grad hat das wasser angenehme badewannentemperatur. ich lege mich auf den ruecken und lasse mich treiben. im hintergrund schallt indonesische kitschmusik aus den lautsprechern, die perfekte soundkulisse fuer einen tag am meer.

...oh, wie schoen ist studieren auf einer insel!

1 Kommentar 12.5.07 06:25, kommentieren

so was wie alltag

nachdem ich nun seit fast 5 wochen morgens im selben zimmer aufwache, hat sich wohl so was wie ein alltag eingestellt.

als fitmacher schlechthin dient morgens die eiskalte dusche, die ich mir kuebelweise uebers haupt schuette. danach bin ich gewappnet fuer jegliche ueberraschung zum fruehstueck (ich sage nur: milchbroetchen mit fleischfuellung, hm...). davon abgesehen kredenzen mir die hausangestellten aber gewoehnlich sehr leckeres indonesisches essen, puenktlich um halb sieben abends.

ok, irgendwann zwischen morgens und mittags begebe ich mich zur uni. ehrlicherweise muss an dieser stelle erwaehnt werden, dass uni nicht automatisch studieren impliziert. nein, uni, das heisst auch in der cafeteria rumhaengen, im internet surfen, rumspazieren, zeit vertreiben.

eigentlich besuche ich neben dem sprachkurs nur einen ernst zu nehmenden kurs, law and politics in indonesia.

der andere kurs, vielversprechend cross cultural understanding genannt, entspricht in etwa einer reli-stunde in der unterstufe. sprich: der unterricht ist so dynamisch wie das testbild der oeffentlich-rechtlichen und ich merke mal wieder, wie lange 90 minuten sein koennen. aber als multi-tasking-faehiger kuwi kann ich natuerlich so tun, als lausche ich gespannt und gleichzeitig galgenmaennchen spielen.

wenn dann gegen 17 uhr wieder viel zu frueh die dunkelheit ueber salatiga einbricht, stehe ich jeden tag aufs neue vor der frage: was tun am abend? zum allabendlichen ritual hat sich unter uns passauern inzwischen der frisch gepresste saft entwickelt, den wir bei einem schnuckeligen familien betriebenen restaurant geniessen.

zum tagesausklang also saft statt wein fuer miss vera.

1 Kommentar 15.5.07 12:20, kommentieren

wann ist ein mann ein mann?

1. maenner rauchen. ganz ungeniert. im restaurant, im bus, im buero. nur mit kippe im mundwinkel ist ein mann ein ganzer kerl.

2. maenner hupen. je lauter, desto maennlicher. die hupe, ein instrument der kompensation???

3. maenner sammeln handynummern. begehrteste trophae: nummern von weissen austauschstudenten. vor maennlichkeit strotzt, wer die opfer mit sms bombadiert oder morgens um 6 aus dem schlaf reisst.

4. maenner lieben verbalsport. ganz einfach zu erlernen: man setze sich an den strassenrand, warte bis ein nichsahnender westler vorbei kommt, und rufe ihm anschliessend "hello miss" oder "hello mister" hinterher.

 

(miss vera erhebt an dieser stelle keinen anspruch auf wissenschaftlichkeit oder interkulturelle kompetenz) 

 

  

2 Kommentare 23.5.07 13:05, kommentieren

kulturschock

nein, es sind nicht die bettelnden, zerlumpten kinder aus den wellblechhuetten. nicht die komplett verschleierten frauen in ihren schwarzen zeltartigen gewaendern. weder das verkehrschaos noch die permanente laermbelaestigung schocken mich. auch das duftgemisch aus verbranntem muell und unfiltrierten autoabgasen atme ich inzwischen ohne greenpeace-hintergedanken ein.

so seltsam es aus der deutschlandperspektive klingt: das ist alles business as usual.

nein, schauplatz des kulturschocks: eine riesige mall in solo. zugang zum konsumtempel hat nur wer a) nach geld aussieht oder b) weiss ist, dafuer sorgen die wachmaenner am eingang.

im gebauede - selbstverstaendlich auf kuehlschranktemperatur runter gekuehlt - wartet an jeder ecke ein anderes entertainment angebot. 5 etagen boutiquen und suessigkeitenstaende verbunden durch einen glaesernen aufzug. im erdgeschoss werden schwarzwaelder kirschtorte und croissants feil geboten, im obersten stock liegen i-pods in den schaufenstern aus. und das hypermoderne cineplex ganz oben koennte ein x-beliebiges kino in berlin, new york oder london sein.

die frage ist nur, w e r in einem land wie indonesien kann sich diesen ganzen schnickschnack bitteschoen leisten?

eine antwort: miss vera und ihre freunde beim wochenendausflug in westliche sphaeren.

2 Kommentare 27.5.07 07:53, kommentieren