Miss Vera auf Reisen

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kartoffelbrei und schuhplattler

mesdames et monsieurs, willkommen in little germany!

den auftakt macht ein "original" deutsches essen, das wir exildeutschen unseren indonischen freunden kredenzen - kartoffelbrei, steak und bohnen-moehrchen-gemuese, zum dessert rittersport. das typisch deutsche daran besteht vor allem im fehlen von chili und kecap manis, jener geschmacksverstaerkenden suessen sosse, die anstelle von salz und pfeffer in jedem restaurant auf dem tisch steht. auch die portionsgroesse ist unindonesisch. wir servieren randvolle teller, nicht diese kinderportioenchen, die erklaeren, warum in den boutiquen hier ueberall die einheitsgroesse xxs auf den kleiderstaendern haengt.

dieses beispiel "gut buergerlicher kueche" ist quasi der appetizer fuer das, was drei tage spaeter folgt. tatort: das pesta budaya auf dem campus. dieses kulturfestival ist fest im unikalender verankert, jede ethnische gruppe praesentiert hier alljaehrlich mit gesang, tanz und infostaenden ihre kultur. doch in diesem jahr sind es nicht die balinesischen taenze oder die trommler aus sulawesi, die fuer furore sorgen.

dieses jahr sind es sechs deutsche studenten in seltsamen kostuemen, die paarweise zu seltsamer musik einen seltsamen reigen tanzen - "passauer volkstanz" haben wir es genannt. stilecht tragen die feschen madln schuerzen und geflochtene zoepfe mit schleifchen; die feschen buam knallrote kniestruempfe zur kniebundhose und karierte hemden.

mit dieser darbietung waeren wir vermutlich aus jeder bayerischen gaststube hochkant rausgeschmissen worden - hier in salatiga ist der tanz stadtgespraech.

jetzt weiss miss vera auch, warum alle amerikaner denken, die deutschen waeren alle bayern. stereotype kultivieren ist das dann wohl. 

1 Kommentar 7.6.07 08:07, kommentieren



borobudur mal zwei

es ist ergreifend, so friedlich, ja, spirituell möchte man fast sagen, wenn es nicht so furchtbar esoterisch klänge. goldgelb leuchten die hindu-buddhistischen reliefs in der morgensonne, an jeder ecke meditiert eine andere buddhastatue. und diese stille, sie erscheint so unwirklich in einem dauerbeschallten land wie indonesien, wo handyklingeltöne, fernsehkitsch und gehupe die geräuschkulisse bestimmen. nur um 6.36 uhr, wenn die touristenhorden noch nicht mit ihren digicams und lonelyplanets durch die tempelanlage trampeln, nur in aller herrgottsfrühe ist borobudur ein magischer ort.
denn schon wenige minuten später ist er seines zaubers beraubt und nicht mehr als einer jener must-have-seen-places auf der touristischen landkarte indonesiens.
stille ist wertvoll in indonesien - im wahrsten sinne des wortes. betuchtere morgenmuffel sehen sich das weltkulturerbe direkt vom schlafzimmer aus an. sie logieren in einem zweiten borobudur, einem luxushotel, dezent versteckt zwischen bananenhainen und reisfeldern, das dem original architektonisch nachempfunden ist. bei zimmerpreisen zwischen 650 und 2600 US-$ ist es ein exklusiver ort, gemacht für die reichen und schönen der internationalen high society.
wir normalsterblichen leisten uns einen cafe, bestaunen die versilberte decke, freuen uns über den jasminblütenduft in den toiletten - und sind letztlich froh, indonesien nicht so realitätsfern zu erleben.

2 Kommentare 20.6.07 14:24, kommentieren