Miss Vera auf Reisen

odyssee zum kantor imigrasi

eines vorne weg: ich habe nicht das kantor imigrasi angezuendet und auch keinen busfahrer verkloppt. nicht einmal geheult habe ich vor wut. doch viel hat nicht gefehlt und in der tagesschau waere folgende nachricht verlesen worden:
*deutsche austauschstudentin laeuft amok in indonesien*

ok, die ganze tragikomoedie von vorne.

ihren anfang nimmt die geschichte eigentlich schon in deutschland, meine kommunikation mit der indonesischen botschaft ist quasi ihr prolog. fast taeglich plaudere ich mit einem netten herrn in berlin, der zwar ein charmanter gespraechspartner ist, mich aber leider meinem visum keinen schritt naeher bringt. "exotik, das ist es doch, was du wolltest", ein zynischer kommentar zu meiner ungeduld. hier in indonesien habe ich diese exotik nun live und in farbe. leider wahr, die buerokratische ineffizienz der indonesier ist so exotisch, dass man es kaum aushaelt.

beim allmonatlichen verlaengern des visums spielen sich regelmaessig szenen ab, die an "asterix erobert rom" erinnern und absolut comedyreif sind. natuerlich nur in der retrospektive.

erste szenerie: die hinfahrt

das kantor imigrasi, die einwanderungsbehoerde, liegt in semarang, zwischen einer und drei stunden von salatiga entfernt. diese kaugummiartige zeitangabe ruehrt daher, dass schon die fahrt dorthin einer odyssee gleicht.

wer glueck hat, erwischt einen schnellen klimatisierten bus und steigt in semarang in einen angkota (eine art stadtbus) ein, dessen fahrer nicht nur "ya" sagt und gas gibt, sondern das gewuenschte ziel auch tatsaechlich kennt. wer pech hat, faehrt mit einem langsamen, nicht klimatisierten bus nach semarang, landet dort irgendwo in der pampa und muss nun auf diversen umwegen irgendwie zum kantor imigrasi gelangen. und wer wie ich ein richtiger pechvogel ist, der steigt mehrmals in einen falschen angkota mit unfaehigem fahrer, der auf halber strecke heimlich das fahrtziel aendert. daraufhin steigt man wutentbrannt aus ohne zu bezahlen und nimmt den naechstbesten angkota. der verpasst das kantor imigrasi um haaresbreite um anschliessend zwei mal im kreis zu fahren. an dieser stelle sei erwaehnt, dass die meisten verkehrsteilnehmer in indonesien keine rechtmaessigen besitzer eines fuehrerscheins sind, 'weil es billiger ist, den lappen per bestechungsgebuehr einfach zu kaufen", wie mein sprachlehrer erklaerte.

zweite szenerie: das kantor imigrasi

nach einer derartigen irrfahrt fuehlt sich die behoerde fast schon wie eine alte bekannte an. nach dem 6. mal kommen bei mir fast schon heimatgefuehle auf. ich kenne sie inzwischen alle. ruddy, den rezeptionisten, seines zeichen hueter diverser stempel und aktenstapel. den graumelierten herrn zwei plaetze weiter, der hauptberuflich zeitung liest. den juengeren, der sein solitaerspiel am computer nur ungerne und nach mehrmaligem nachfragen unterbricht, um auskunft zu erteilen. und im ersten stock gibt es einen dickbaeuchigen, der immer krabbenchips knabbert. nicht zu vergessen ibu tuti im hinterhaus, auch sie eine hueterin ganz wichtiger stempel. alles sehr nette zeitgenossen, ausgesprochen freundlich uns auslaendern gegenueber. wie der nette herr in berlin eben, sehr charmante plaudertaschen.

aber, wie schon gesagt: es gibt keine schlagzeile. das visum ist verlaengert. und die tragikomoedie kantor imigrasi vorbei.

26.7.07 13:24

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